Geteilte Werte schaffen Verbindung: Wie Sie durch motivationale Intelligenz stärkere Teams aufbauen
In einer Arbeitswelt, die zunehmend von Diversität, Remote-Work und schnellem Wandel geprägt ist, stellt sich für Führungskräfte eine zentrale Frage: Wie bauen wir authentische Beziehungen auf, die nicht nur oberflächlich funktionieren, sondern echte Zusammenarbeit ermöglichen? Die Antwort liegt tiefer als in gemeinsamen Projektzielen oder Unternehmenswerten – sie liegt in unseren grundlegenden motivationalen Bedürfnissen.

Die unsichtbare Kraft hinter zwischenmenschlichen Beziehungen
Steven Reiss, renommierter Psychologe und Entwickler des Reiss Motivation Profile®, hat durch jahrzehntelange Forschung ein fundamentales Prinzip menschlicher Verbindung identifiziert. Sein 13. Prinzip der Motivation besagt: „Menschen verbinden sich mit denen, die ähnliche Werte haben, und distanzieren sich von denen mit entgegengesetzten Werten.”
Dieses Prinzip klingt zunächst selbstverständlich. Doch die tiefere Bedeutung wird erst klar, wenn wir verstehen, dass es hier nicht um oberflächliche Gemeinsamkeiten geht – nicht darum, ob wir denselben Fußballverein mögen oder ähnliche Hobbys teilen. Es geht um die fundamentalen Bedürfnisse, die unser Verhalten, unsere Entscheidungen und unsere Bewertungen anderer Menschen prägen.
Wenn unterschiedliche Wertewelten aufeinanderprallen
Reiss beschreibt dieses Phänomen prägnant: „Risikofreudige Menschen neigen dazu, vorsichtige Menschen als Feiglinge abzuwerten; vorsichtige Menschen neigen dazu, risikofreudige als leichtsinnig abzuwerten.”
Diese gegenseitigen Abwertungen sind keine bewussten Boshaftigkeiten. Sie entstehen automatisch, weil wir die Welt durch die Brille unserer eigenen motivationalen Werte betrachten. Was für den einen mutig und visionär erscheint, wirkt auf den anderen unverantwortlich und riskant. Was der eine als vernünftig und vorausschauend empfindet, erlebt der andere als lähmende Ängstlichkeit.
In Unternehmen erleben wir diese Dynamik täglich: Der innovationsgetriebene Produktmanager, der schnell neue Features launchen möchte, kollidiert mit der qualitätsbewussten Entwicklerin, die erst alle Tests abschließen will. Beide handeln aus ihren jeweiligen motivationalen Bedürfnissen – und beide bewerten das Verhalten des anderen als problematisch, ohne die dahinterliegende Motivation zu verstehen.
Das Beispiel Status: Zwei Welten, gleichermaßen legitim
Betrachten wir ein konkretes Beispiel aus dem Reiss Motivation Profile®: das Bedürfnis nach Status.
Zwei Personen mit einem starken Bedürfnis nach Status schätzen beide Anerkennung, Prestige und sichtbaren Erfolg. Sie verstehen intuitiv, warum der andere Wert auf Titel legt, sich über Auszeichnungen freut oder Bedeutung in hierarchischen Positionen sieht. Sie sprechen dieselbe motivationale Sprache und verbinden sich dadurch mühelos auf dieser Ebene.
Zwei Personen mit einem schwachen Bedürfnis nach Status hingegen teilen eine Vorliebe für Bescheidenheit und soziale Gleichheit. Sie finden im Einfachen eine gemeinsame Basis, schätzen flache Hierarchien und empfinden Statussymbole möglicherweise als überflüssig oder gar störend. Auch sie verstehen einander intuitiv – allerdings auf einer ganz anderen Wertebene.
Der entscheidende Punkt: Keine der beiden Präferenzen ist objektiv besser oder schlechter. Der Unterschied offenbart lediglich vielfältige, tief verwurzelte Wertesysteme, die beide ihre Berechtigung haben.
Vom Urteil zum Verstehen: Die Transformation der Führungskultur
Für Führungskräfte und Teams liegt hierin eine fundamentale Erkenntnis: Viele Konflikte, Missverständnisse und Reibungsverluste entstehen nicht durch bösen Willen oder Inkompetenz, sondern durch unterschiedliche motivationale Werte, die unbewusst aufeinanderprallen.
Die gute Nachricht: Wenn wir diese motivationalen Muster erkennen und verstehen, öffnet sich ein Weg zu authentischerer und effektiverer Zusammenarbeit. Statt andere Menschen nach unseren eigenen Wertmaßstäben zu beurteilen, können wir ihre Handlungen aus ihrer motivationalen Perspektive verstehen.
Praktische Anwendung in Führung und Teamentwicklung
Das Erkennen motivationaler Übereinstimmungen und Unterschiede wird zum Schlüssel, um:
- Missverständnisse zu vermeiden: Wenn Sie verstehen, dass Ihr Vertriebskollege aus einem starken Bedürfnis nach sozialen Kontakten handelt, interpretieren Sie seine ausführlichen Kundengespräche nicht mehr als Zeitverschwendung, sondern als seinen Weg zu Exzellenz.
- Konflikte zu reduzieren: Statt sich über die “übertriebene Detailversessenheit” eines Teammitglieds zu ärgern, erkennen Sie darin möglicherweise ein starkes Bedürfnis nach Ordnung – und können konstruktiv Wege finden, dieses Bedürfnis mit Effizienzanforderungen zu verbinden.
- Echtes Vertrauen aufzubauen: Wenn Teammitglieder erleben, dass ihre grundlegenden Bedürfnisse gesehen und respektiert werden, entsteht psychologische Sicherheit – die Basis für Hochleistungsteams.
Von der Vielfalt zur Verbindung
Die transformative Kraft dieses Ansatzes liegt in einer Perspektivverschiebung: Anstatt motivationale Unterschiede als Problem zu betrachten, können wir sie als Quelle der Stärke verstehen.
Ein Team, in dem verschiedene motivationale Profile vertreten sind, verfügt über eine breitere Perspektive. Die risikofreudigen Innovatoren bringen Dynamik und Durchbrüche, während die vorsichtigen Qualitätshüter Stabilität und Sorgfalt gewährleisten. Die statusorientierten Führungspersönlichkeiten schaffen Sichtbarkeit und Ambition, während die bescheidenen Teamplayer Zusammenhalt und Bodenständigkeit fördern.
Die Kunst besteht darin, diese Vielfalt nicht nur zu tolerieren, sondern aktiv zu orchestrieren. Dies gelingt, wenn wir:
- Bewusstsein schaffen: Teams helfen, ihre eigenen motivationalen Profile zu verstehen
- Wertschätzung fördern: Unterschiedliche Motivationen als gleichwertig anerkennen
- Brücken bauen: Kommunikationsformen finden, die verschiedene motivationale Sprachen übersetzen
- Synergien nutzen: Aufgaben und Rollen so gestalten, dass sie zu den motivationalen Stärken passen
Ihre Reflexion als Führungskraft
Zum Abschluss eine entscheidende Frage für Ihre eigene Führungspraxis:
Wie bewusst sind Sie sich der motivationalen Werte, die Sie mit Ihren Kollegen oder Kunden teilen – oder auch nicht teilen?
Diese Frage ist mehr als eine theoretische Überlegung. Sie ist eine Einladung zu einer konkreten Praxis:
- Beobachten Sie in den nächsten Tagen, wo in Ihrem Arbeitsalltag Reibungen entstehen
- Fragen Sie sich: Könnte hier ein Unterschied in den grundlegenden Bedürfnissen die Ursache sein?
- Versuchen Sie, die Situation aus der motivationalen Perspektive des anderen zu betrachten
- Öffnen Sie einen Dialog über das, was Ihnen und Ihrem Gegenüber wirklich wichtig ist
Der Weg zu authentischer Verbindung
Indem wir erforschen, was andere antreibt, anstatt darüber zu urteilen, verwandeln wir eine Vielfalt von Motiven in eine Quelle starker Verbindungen. Dies erfordert Neugier statt Bewertung, Offenheit statt Annahmen, Dialog statt Monolog.
Die Verbindungen, die auf diesem Fundament entstehen, sind nicht nur angenehmer – sie sind auch belastbarer, produktiver und nachhaltiger. Sie basieren nicht auf Kompromissen, bei denen alle ein bisschen verlieren, sondern auf gegenseitigem Verständnis, bei dem alle gewinnen.
In einer Zeit, in der Remote-Work und digitale Kommunikation die zwischenmenschliche Verbindung erschweren, bietet das Verständnis motivationaler Werte einen Kompass für authentische Beziehungen. Es ist eine Fähigkeit, die Sie als Führungskraft kultivieren können – und die Ihre Teams nachhaltig transformieren wird.
Denn am Ende verbinden uns nicht die ähnlichen Aufgaben oder Ziele. Es sind die geteilten oder verstandenen Werte, die echte Zusammenarbeit ermöglichen.
Haben Sie Interesse, die motivationalen Profile in Ihrem Team sichtbar zu machen? Das Reiss Motivation Profile® bietet einen wissenschaftlich fundierten Ansatz, um diese unsichtbaren Treiber zu erkennen und produktiv zu nutzen.
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