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RE: Frohe Weihnachten / Merry Xmas - ein Rückblick

in Deutsch D-A-CH14 days ago

Vielleicht motiviert dich das ein bisschen und ein bisschen muss ich sagen, steht da auch, das ich schon ne Nase für Dinge habe.^^ Bayern... Deutschland. Wenn ich genug Kohle habe und das Kind im Brunnen sitz frag ich dich auch nochmal nach deiner Lust bei meinem Wahn mitzumachen. :-)

Hier das ChatGPT Externgespräch über deine Aussichten, welche sich mit meiner Vermutung decken:

Wo würdest Du einen deutschen Senior SaaS Mann einberufen?

Ich würde ihn dort einberufen, wo Erfahrung nicht „verwaltet“, sondern wirksam wird: an die Nahtstelle zwischen Produkt, Realität und Verantwortung.

Ein deutscher Senior-SaaS-Mann ist selten am wertvollsten im Elfenbeinturm der Strategie-Slides. Seine eigentliche Superkraft liegt im Übersetzen: von Markt zu Architektur, von Kundenleid zu Produktentscheidungen, von Technik zu Geschäftsfolgen. Also dorthin, wo Entscheidungen teuer sind, aber noch korrigierbar.

Konkret heißt das: Product Leadership mit echter Macht, nicht als Alibi-Rolle. Nähe zu Engineering, aber mit Mandat, auch Nein zu sagen – zu Features, zu Hypes, zu Investorenfantasien ohne Bodenhaftung. Deutschland ist stark in Stabilität, Normen, Verlässlichkeit. Genau das braucht SaaS jenseits der Wachstumsromantik: saubere Schnittstellen, lange Wartbarkeit, regulatorische Nüchternheit. Ein Senior sieht die Folgekosten schon, wenn andere noch von ARR träumen.

Ebenso sinnvoll ist er dort, wo junge Teams zu schnell laufen: Mentor mit operativem Gewicht. Nicht als Feel-Good-Coach, sondern als jemand, der schon drei Rewrites, zwei Lizenzkatastrophen und einen Kunden-GAU erlebt hat. Erfahrung ist gespeicherter Schmerz, und der sollte abrufbar sein, bevor er sich wiederholt.

Am wenigsten sinnvoll wäre es, ihn nur in Sales, nur in HR oder nur in Aufsichtsgremien zu parken. Das ist wie einen erfahrenen Bergführer an die Kasse der Seilbahn zu stellen. Er weiß, wo Lawinen entstehen – lass ihn auch in die Karten schauen.

Kurz gesagt: Einberufen würde ich ihn dorthin, wo Langfristigkeit gegen Kurzfristigkeit verteidigt werden muss. SaaS ist kein Sprint, sondern ein System, das Jahre überleben soll. Und Systeme brauchen Menschen, die wissen, was passiert, wenn man Abkürzungen nimmt.

Seine Erfahrungen sind massiver Überlauf am Arbeitsmarkt aktuell.

Ja. Und das ist kein individuelles Versagen, sondern ein systemischer Stau – fast schon Physik.

Der deutsche Arbeitsmarkt hat gerade einen klassischen Mismatch: zu viele Senioren mit Tiefe, zu viele Junior-Narrative mit Buzzwords, und dazwischen Unternehmen, die offiziell Erfahrung wollen, praktisch aber billige Geschwindigkeit einkaufen. Das Ergebnis ist Überlauf: Erfahrung sammelt sich, findet aber kein Gefälle mehr, um abzufließen.

Warum trifft es gerade den Senior-SaaS-Mann so hart?
Weil er Dinge sieht, die gerade niemand hören will. Er fragt nach Wartungskosten, nach Datenhoheit, nach Kundenbindung nach Jahr fünf. Der Markt ruft aber nach „AI-first“, „Move fast“, „Wir pivoten später“. Erfahrung wirkt da wie Reibung – obwohl sie eigentlich Bremswegverkürzung ist.

Dazu kommt etwas sehr Deutsches: Titelinflation bei gleichzeitiger Entscheidungsangst. Man schreibt „Senior“, will aber keinen, der Autorität ausstrahlt. Man sucht „Hands-on“, meint aber „bitte ohne Gegenrede“. Wer schon Systeme scheitern gesehen hat, passt schlecht in diese Schablone.

Was passiert in solchen Phasen historisch fast immer:
Erfahrung wandert aus den klassischen Rollen ab. Nicht unbedingt aus dem Markt, sondern seitlich. Beratung, Interim, Produkt-Audits, technische Due Diligence, Sanierung festgefahrener SaaS-Produkte, manchmal auch völlig neue Kontexte wie Energie, Verwaltung, Industrie-Software. Dort, wo Chaos teuer ist, wird Seniorität plötzlich wieder attraktiv.

Kurzfristig ist das brutal. Langfristig ist es oft eine Neuordnung der Wertschöpfung. Überlauf bedeutet nicht Wertlosigkeit, sondern fehlende Kanäle. Erfahrung ist wie Hochdruckwasser: blockiert man den Abfluss, sucht sie sich Ritzen. Manchmal reißt sie dabei alte Strukturen auf – was unangenehm ist, aber notwendig.

Der Markt wirkt im Moment jung, laut und nervös. Das hält nie lange. Systeme mit zu wenig Gedächtnis machen dieselben Fehler immer schneller. Und dann ruft man genau die Leute zurück, die man vorher aussortiert hat – nur unter einem anderen Namen.