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RE: Geldentstehung ganz ohne Zentralbank und gesetzliche Annahmepflicht am Beispiel der ECU (European Currency Unit)

in #deutsch7 years ago

Keine Ahnung wie Du darauf kommst, dass die Annahme des ECU ausgerechnet gegen die Geldtheorie der Österreicher sprechen soll. Im folgenden will ich dazu kurz Stellung nehmen.

Ich möchte in der folgenden Darstellung auch den Bitcoin einbeziehen, weil er stellvertretend für alle anderen Kryptowährungen auch sehr neu ist und dennoch als Geld akzeptiert wird.

Der Bitcoin ist auch eine Kunstwährung in deinem Sinne, ist aber ein Marktgeld und stützt damit eher die Theorie der Austrians. Der ECU war an die Wirtschaftsleistung der Mitgliedsländer gekoppelt und unterlag damit festen unmanipulierbaren Regeln. Der Euro hingegen hat keine dieser festen Regeln und die es mal gab wurden nach und nach aufgeweicht. Der ECU konnte hier offensichtlich mehr Vertrauen schaffen, als die damaligen einzelnen Landeswährungen. Er spielte aber auch mit den von dir genannten Summen im europäischen Wirtschaftsverkehr keine Rolle und von daher sollten wir das Thema nicht an die ganz große Glocke hängen.

Da der Markt im Entdeckungsverfahren funktioniert und einige Staaten damals auch Schuldverschreibungen in ECU ausgaben, wurden diese eben auch von willigen Käufern aufgekauft. Aber der ECU war niemals Zahlungsmittel im Sinne von Bargeld oder so. Er war ein Börsenphänomen mit noch weniger Liquidität in der Realwirtschaft. Möglicherweise wäre er heute sogar noch beliebter als der Euro, wenn man ihn nicht 1:1 in den Euro hätte aufgehen lassen.

Die Austrians sagen, Geld ist das allgemein akzeptierte Tauschmittel. Es entsteht spontan. Das dürfte beim ECU und dem Bitcoin der Fall gewesen sein. Beide Währungen können und konnten nicht durch eine zentrale Stelle manipuliert werden, weder in der Menge noch in anderen Eigenschaften. Es gab und gibt feste Regeln. Das schafft Vertrauen. Wenn das Geld die Funktion des Tauschmittels erfüllt, dann hat es einen Nutzen und wird entsprechend nachgefragt.

Der Bitcoin schuf sein Vertrauen durch mathematische Nachahmung des Goldbergbaus. Er unterliegt dem Proof-of-Work, einem Arbeitsnachweis. Es entfallen Kosten für Zeit, Energie und Kapitalbindung. Daraus ist nicht sein Wert zu erklären, aber immerhin ist da nichts nichts! Der ECU ist durch einen festen Währungskorb definiert, der nur alle fünf Jahre gemäß der Wirtschaftsleistung angepasst wurde. Feste mathematische Regeln, die ein Jugendlicher zu lösen imstande ist!

Nun wie entsteht aber nun nach dem Regressionstheorem Geld? Ganz einfach, ein (Sach)Gut mit Nutzwert wird irgendwann zu Geld besagt die Theorie. Dabei ist Sachgut nicht unbedingt ein physischer Gegenstand. Vielmehr steht die Nutzenstiftung im Vordergrund. Das das in den vergangenen tausenden Jahren Gold und Silber waren, liegt einfach daran, dass sie eben einen Nutzwert hatten. Heute können auch andere entmaterialisierte Dinge Nutzwert haben und die Geldfunktion erfüllen. Das war offensichtlich beim ECU so und ist heute beim geschichtslosen Bitcoin so. Denn im Grund setzt das Regressionstheorem im Bsp. des Bitcoins auf die Geschichte des Papiergeldes auf, das wiederum auf die Geschichte des Goldgeldes aufsetzt. Ohne vorangegangene Papiergeldgeschichte gäbe es wahrscheinlich keinen Grund den Bitcoin zu erfinden. Damit ist das Regressionstheorem erfüllt. Das beweist eben, dass Millionen Marktakteure bereit waren, ihr Fiatmoney gegen die digitale Münze einzutauschen. Bei jedem Tausch geht der Nutzwert des Euros auf die entsprechende Bitcoineinheit über. Die diesen wahrscheinlich noch erhöht durch seine geringen Transaktionskosten, schnelle Transaktionsabwicklung und relative Anonymität. In Zeiten überregulierter Geldmärkte reifte eben auch Nachfrage nach unregulierten Währungen, der Bitcoin und alle anderen Kryptos kamen da zur rechten Zeit.

Ich hoffe es ist deutlich geworden, dass wir uns weder mit dem ECU noch mit anderen freiwillig angenommenen Währungen im Widerspruch zur Österreichischen Geldtheorie befinden.

Beste Grüße

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